Immer Geradeaus

Fürs Wochenende brauchte ich noch eine Wanderstrecke. Sie sollte etwas länger sein. Bahnhöfe an Start und Ziel würden die Sache perfekt machen. Dabei fiel meine Wahl auf einen, zu einem Rad-Wanderweg umgebauten Bahndamm, den ich mal irgendwann gekreuzt hatte. Damals hatte ich mir die Sache nochmal auf Open Street Map angesehen und dabei herausgefunden, dass dieser Weg Henstedt Uelzburg mit Bad Oldesloe verbindet.
Inzwischen weiß ich, dass diese Strecke vom Kreis Stormarn als Bahn-Radweg beworben wird. Von einem Wanderweg ist allerdings keine Rede. Das liegt vermutlich an der Länge. 28Km sind nicht gerade wenig und sicher nicht dass, womit man Sonntagsausflügler locken kann. Verkürzen lässt sich die Strecke auch nicht unbedingt. Wenigstens Sonntags kommt man aus den kleinen Orten am Rande der Strecke kaum weg.
Verkürzen wollte ich die Strecke aber auch gar nicht. Ich wollte meinen fast-neuen Rucksack testen. Und mich gleich mit. So hatte ich auch keine großen Ansprüche an die Strecke. Hauptsache, ich konnte laufen ohne mich zu verlaufen und würde mittags irgendwo auf einem ordentliche Stuhl in einem beheizten Raum einen Kaffee trinken können.
Am Sonntagmorgen ging es dann also mit der U-Bahn nach Norderstedt und von da mit der AKN weiter nach Henstedt Uelzburg. Der „Einstieg“ in den Weg liegt nicht weit vom Bahnhof entfernt und ist an seinem Fahhrad-Wegweiser gut zu erkennen.
Eigentlich hatte ich ja auf einen sonnigen und vielleicht auch warmen Tag gehofft. Stattdessen war es windig, die Sonne ließ sich hinter der dichten lückenlosen Wolkendecke nicht mal erahnen. Und es fing tatsächlich an, zu regnen. Darauf war ich nun wirklich schlecht vorbereitet. Zwar boten mir diverse Kleidungsschichten einen guten Schutz vor der Kälte. Aber nicht vor der Nässe. Zum ersten Mal seit langem war ich schlecht vorbereitet. Die einzige Hilfe war ein Einmal-Regen-Poncho. Eine Art Mülltüte mit Armen. Der Regenschutz sollte mir bis Sülfeld gute Dienste leisten.
Die erste halbe Stunde führte die ehemalige Bahntrasse durch Henstedt. Rechts und Links zunächst Wohnhäuser deren Gärten an den Weg grenzten. Später Wälle auf beiden Seiten. Erstmal nicht besonders schön.
Mit dem Erreichen des Stadtrands änderte sich der Ausblick deutlich. Bebauung wurde von Feldern, Wiesen und Baumreihen abgelöst. Ab hier ging es dann mehr oder weniger ständig geradeaus. Ideal zum Kilometerfressen. Vermutlich war es dem Wetter zu verdanken, dass ich auf dem Weg kaum auf Menschen traf. Und wenn, dann waren sie mit Hund unterwegs.
Während der ersten Stunde hatte ich noch gewisse Zweifel, ob die Strecke wirklich so gut gewählt war. 6-8h praktisch nur geradeaus zu gehen und rechts und links ständig Wiesen und Felder zu sehen, erschien mir doch etwas monoton und ich war mir nicht sicher, ob ich das durchhalten würde.
Aber die Zweifel verflogen dann doch recht schnell: Denn so monoton war die Landschaft gar nicht und auf dem gut ausgebauten Kiesweg stellte sich schnell ein Gehrhythmus ein, mit dem ich ohne große Pausen nach Sülfeld kommen sollte.
Um Punkt 12 erreichte ich den Ort und konnte mich bei Kaffee und Brötchen aufwärmen. Sollte ich den Weg nochmal gehen, werde ich allerdings selber etwas zu Essen mitnehmen. Die Bäckerei bot neben unbelegten Brötchen praktisch nur Kuchen und Süßkram an. Mit meinem Schinkenbrötchen und dem Knoblauch-Brötchen hatte ich praktisch das komplette deftige Angebot aufgekauft.
10 Kilometer lagen noch vor mir und als ich Sülfeld verlies, war ich in Endspurt-Stimmung. Das kam mir ein bisschen absurd vor. 10Km sind ja nicht nichts. Aber besser so als anders. Und weil ich in so guter Stimmung unterwegs war, machte ich in Grabau auch noch den kleinen Abstecher zum See. Hier hat man offenbar viel unternommen um die Umgebung für Familien interessant zu machen. Kletterwege (Bitte nur OHNE Fahhradhelm betreten!) und ein paar Stationen, an denen eher den jüngeren als den älteren Besuchern Waldbewohner und Pflanzen näher gebracht werden sollten. Mich interessierte das alles nicht (vor allem wollte ich bei diesem Wetter nirgends einfach so stehen bleiben und auskühlen). Mein Ziel war die Vogelbeobachtungsstation.
Eine kleine Hütte am Ufer mit einem großen Fenster zum See bot dann doch noch einen geeigneten Platz für eine Teepause. Bis auf ein paar Schwäne gab es allerdings nix zu beobachten.
Anschließend sollte tatsächlich der Endspurt beginnen. Am alten, zu einem Wohnhaus umgebauten Bahnhof Grabau vorbei ging es nun zunächst wieder zwischen hohen Wällen weiter. Dann tauchte irgendwann die Autobahn in der Ferne und hinter der Unterführung tauchten dann auch wieder verstärkt Häuser und kleine Industriehallen auf. Bad Oldesloe kam näher.
Irgendwann bekam die Trasse dann auch wieder Schienen. Von nun an führte der Weg neben den Gleisen weiter bis in den Park von Bad Oldesloe. Von dort waren es dann nur noch 300m bis zum Bahnhof.
Alles in allem muss ich sagen: Es hat sich wirklich gelohnt! Ich fand es vor allem sehr angenehm, immer wieder alleine auf weiter Flur unterwegs zu sein. Bei sonnigem Wetter dürfte das aber wohl anders aussehen. Der Weg ist kein wirklicher Geheimtip und man hat sich hier nicht nur darauf beschränkt, Schienen und Schwellen zu entfernen um das ganze als Radwanderweg deklarieren zu können sondern gleich europas längsten Obstlehrpfad angelegt. Auch der ADFC ist mit einer Informationstafel präsent und Teile des Weges scheinen Bestandteil verschiedener ausgeschilderter Routen zu sein.
Und für die nächste Zeit habe ich schon wieder Pläne. Denn die Trasse von Henstedt Uelzburg nach Bad Oldesloe ist nur eine von dreien, die im Kreis Stormarn zu Radwanderwegen umgebaut wurden (http://www.kreis-stormarn.de/freizeit-und-tourismus/bahnradwege/route-a-die-ehemalige-bahntrasse-der-eboe.html). Eine weitere führt von Bad Oldesloe nach Trittau und eine dritte von Trittau nach Glinde. Diese Strecken sind kürzer und führen augenscheinlich stärker durch bebautes Gebiet beziehungsweise entlang von Bundesstraßen. Aber ich habe mir trozdem vorgenommen, auch diese Strecken mal abzugehen.