Himmelsmoor

Ist ja schon etwas her, seit ich mich das letzte mal zu Fuß auf den Weg gemacht habe. Heute wollte ich dann mal wieder zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Von Quickborn nach Tornesch wandern und dabei ein paar Dosen loggen. Zum Glück bin ich flexibel, denn es kam doch etwas anders.
Zunächstmal bin ich viel zu spät losgekommen. Feiertagssyndrom. Erstmal in Ruhe Kaffee trinken und frühstücken. Man hat ja den ganzen Tag frei. So saß ich dann erst gegen 10 im Bus und war auch erst kurz nach 11 in Quickborn. Während das Wetter bei meiner Abfahrt noch echt gut war, entsprach es am Start meiner Wanderung dann schon eher den Vorhersagen. Die 80% Regenwahrscheinlichkeit wurden langsam abgearbeitet.
Quickborn ist ja nicht groß und so konnte ich das Ortsschild recht schnell hinter mir lassen.
Die nächsten 2-3 Kilometer musste ich allerdings an einer Landstraße zurrücklegen. Immerhin mit wenig Verkehr. Aber wenn man „in die Natur“ will, ist wenig immernoch viel. Dafür viel mein Blick immer wieder nach rechts aufs Land. Weiden und Wälder standen da bereits in der Sonne während ich am Rand des durchziehenden Regengebiets immernoch naß wurde.
Dann konnte ich endlich die Landstraße verlassen und mich auf kleinere Wege begeben. Auf der Karte war in der Nähe ein recht großes graues Rechteck mit einem Bergbausymbol in der Mitte eingezeichnet, was mich etwas abgeschreckt hatte. Andererseits waren auch Aussichtspunkte eingezeichnet. Vielleicht war das Gebiet ja interessant und konnte doch mehr bieten als ein paar verlassene Großgeräte in einer Sandkuhle.
Mit Sandkuhle lag ich eh falsch. Mein Ziel war nämlich, wie ich an einem Schild lernte, das „Himmelmoor“. Noch konnte ich davon nichts sehen. Aber es war schon vielversprechend. Aus der Straße war inzwischen ein Wirtschaftsweg geworden. Eine Allee. Die Bäume rauschten. Den Kühen auf der Weide zur linken war alles Wurscht. Rechts ein Birkenwald.
Die Allee öffnete sich zu einer Grasfläche. Auf der Grasfläche ein Gleisdreieck. Deren Spur war schmal. Die Schienen verliefen einen kurzen Schritt auseinander. Rechts und links verliefen die Schienen parallel zu einem Damm. Geradeaus führten die Schienen schnurgerade zwischen zwischen rechteckigen, von braunen Dämmen zerteilten Seen hindurch.
Die Schienen sahen nicht so aus, als hätte man sie nur vergessen, abzubauen. Aber sie noch in Benutzung waren, wusste ich nicht. Immerhin führten sie unter einer Absperrkette hindurch, an der ein Schild baumelte, dass das Betreten des „Betriebsgeländes“ verbat.
In der Ferne bewegte sich dann tatsächlich ein Zug am Rande der Seen entlang. Jetzt war ich doch neugierig. Ich folgte den Schienen am Damm entlang in Richtung der gesichteten Bahn. Das war so nicht geplant. Irgendwann tauchte dann tatsächlich ein Zug hinter dem Damm auf und kam langsam auf mich zu.
Die Lok war ein Rollender Schuhkarton. Der Wagon, der von vorne mit dem, im Verhältnis zur Spurbreite viel zu breiten Dach, wie eine Art rollende Bushaltestelle aussah, entpuppte sich als Personenwagen. Allerdings spärlich besetzt. Dem Zug folgten noch 3 oder 4 weitere Züge. Mit Güterwagons. Mit Tanks. Spärlich besetzt.
Ich hätte jetzt umkehren und meinem ursprünglich geplanten Weg folgen können. Nur hatte ich Lust bekommen, das alles näher zu erkunden. Hinter der Kurve, aus der die Züge gekommen waren, führte der Weg nicht mehr hinter dem „Deich“ weiter sondern verlief direkt zwischen dem Torfabbaugebiet mit den braunen und teilweise überfluteten Feldern auf der einen Seite und einer Landschaft aus hohen Gräsern, Büschen und Bäumen auf der anderen Seite.
Am Weg standen reichlich Tafeln, die über die hier vertretene Tier- und Pflanzenwelt informierten. Vor den Tafeln Böden aus Holz. So sank man wenigstens beim Lesen nicht im sonst allgegenwärtigen weichen Torfboden ein.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Abbaufläche verliefen die Wege dann etwas abseits in den Wäldern. Ich hatte den Eindruck, dass man hier jenseits der schmalen Wege der Natur die weitere Gestaltung der Umgebung überlies.
Insgesamt war ich wirklich sehr fasziniert. Ich finde, den Namen „Himmelsmoor“ hat diese Landschaft jetzt schon verdient. Das ist hier nichts für Sonntagsschuhe. Gummistiefel dürften ideal sein. Meine Barfußschuhe waren es jedenfalls nur bedingt. Waren sie anfangs noch angenehm und bequem, wurde die Feuchtigkeit irgendwann zum Problem. Darum hatte ich mich zunächst nicht geschert. Nur verliert man in nassen Schuhen leicht den Halt, rutscht herum und am Ende hat man Blasen an den Ballen.
Immerhin hatte ich das Himmelsmoor schon fast umrundet. Wie geplant nach Tornesch weiterzumarschieren schien mir aber etwas „unpassend“.
Am Ende bin ich aber trotzdem froh, den Umweg durch das Torfgebiet genommen zu haben. Schön wars! Wirklich schön.