Veränderungen

Die Welt verändert sich ständig. Und das nervt, weil ich mich dann ständig anpassen muss. Es gibt zwar Leute die behaupten, Veränderungen seien toll. Aber meistens meinen diese Leute dann jene Veränderungen, die sie auch wollen und von denen sie profitieren. Es gibt ja dieses Buch in dem behauptet wird, man könne seine Wünsche ans Universum richten und dann würden diese Wünsche auch wahr (ich gebe zu, ich habe das Buch nicht gelesen und mir hier nur aus dem Titel meinen Teil zusammengereimt). Ich freue mich im Prinzip für jeden, der auf diese Weise sein Leben aufpeppen kann. Ich brauche dieses Buch jedenfalls nicht. Mir würde es total reichen, wenn das Universum einfach die Hände in den Schoß legt, solange ich keine Wünsche habe. Mit „Alles OK, so.“ meine ich nicht, dass ich mich noch nicht für eine neue Wandfarbe entschieden habe. Ich meine damit, dass ich mit der Farbe meiner Wände gerade super zufrieden bin und mich auch nicht mit diesem Punkt auseinandersetzen will. Denn ich habe vielleicht andere Prioritäten. Und eines steht fest: Mit der neuen Wandfarbe ist es nicht getan. Wenn man Pech hat, passt dann nix mehr.
Oder anders ausgedrückt: Wenn ich mir neue Schuhe beim Universum wünsche und morgens ein Paket vom Schuhversand vor der Tür liegen sehe, ist alles toll. Wenn ich aber keine Schuhe haben will und morgens über ein ungebetenes Paket stolpere, ist das Mist.
Aber ob es mir gefällt oder nicht: Veränderungen wird es immer geben. Alles, was ich tun kann, ist, mich umzusehen und herauszufinden, was als nächstes passiert und wie es mich beeinflussen wird.
Ich war heute abend in Winterhude unterwegs. Dabei kam ich auch an der Sierichstraße vorbei. Ich dachte immer schon, dass das Konzept der Wechselnden Fahrtrichtungen das dämlichste sei, was man sich ausdenken kann. Ich hielt es für sehr unfallträchtig. Aber im Internet lernte ich, dass es dort keineswegs häufiger zu Unfällen kommt. Glauben mochte ich das nicht. Und so war ich fast schon ein bisschen euphorisiert, als ich heute sah, wie ein PKW mit Schwung in die Sierichstraße brettern wollte. In der falschen Richtung. Bei Gegenverkehr. Ich würde Zeuge werden, dass ich mit meiner Meinung richtig lag.
Aber der Frontalzusammenstoß blieb aus. Letzten Endes waren beide potentiel Unfallbeteiligten in der Lage, in einem Manöver des letzten Augenblicks den Crash zu vermeiden. Mir entwich dabei ein lautes „Ahhhnnneeee!“
Eigentlich weiß niemand, dass zu meinem Gefühlsrepertoire auch die Schadenvorfreude sowie die enttäuschte Schadenvorfreude gehören. Und das ist in meinem Sinne, denn alles andere wäre mir peinlich. Das „Ahhhhnnneeee!“ hat zu meinem Glück niemand gehört. Dort, wo sich zwei mehrspurige Straßen kreuzen, ist der Berufsverkehr einfach viel zu laut. Das war mein Glück. Der Verbrennungsmotor hat mich vor einer peinlichen Situation bewahrt. Aber der Verbrennungsmotor stirbt aus. Irgendwann. Vielleicht früher als später. Und das Surren von Elektromotoren hätte ich mit meinem „Ahhhnnneeeee!“ ganz sicher übertönt. Ich habe noch ein bisschen Zeit, mich anzupassen. Und vielleicht bin ich in diesem Punkt mal schneller als die Automobilentwicklung und kann mir meine Gefühlsausbrüche rechtzeitig abgewöhnen.