Fastenzeit

Einen Tag vorm Beginn der offiziellen Fastenzeit habe ich mit dem sogenannten 16:8 (Intervall-)Fasten begonnen. Das kann ich jetzt zugeben. Denn es scheint zu funktionieren. Jedenfalls hatte ich bisher noch keinen Rückfall.
Als ich zum ersten Mal davon las, dachte ich noch an einen Scherz. Bisher fand ich den Spruch, ich würde täglich zwischen den Mahlzeiten fasten, ziemlich lustig. Und nun mache ich genau das und meine es ernst damit. Die 16:8-Variante dürfte die einfachste Art der Selbstbeschränkung sein, der man sich verschreiben kann. Dabei darf man jeden Tag während 8 Stunden essen. Die restlichen (zusammenhängenden!) 16 Stunden allerdings nicht.
Das Tolle an der Sache ist, dass ich anfangs nicht so recht abschätzen konnte, ob das nun schwierig ist oder nicht. Zum Glück hatte ich mir auch keine großen Gedanken darüber gemacht sondern habe einfach angefangen. Denn es ist eine sehr interessante Erfahrung bei der die Veränderungen eher beiläufig auftreten.
Zum Beispiel wäre es mir sicher schwer gefallen, 7 Wochen auf Bier zu verzichten. Beim 16:8-Fasten gibt es dahingehend auch erstmal keine Einschränkung. Allerdings möchte ich auch nicht aufs Frühstück verzichten. Deshalb habe ich mein Fressinterval in die Zeit von 9:00 – 17:00 gelegt. Um 17:00 bin ich meistens noch im Büro. Dort die letzte Mahlzeit einzunehmen ist kein Problem. Allerdings wäre ein Bier am Schreibtisch schon etwas problematisch. Also fällt der Alkohol flach.
Das Intervallfasten steht im Ruf, durchaus gesund zu sein, aber wenigstens die Variante mit dem täglichen Essen ist eigentlich nicht geeignet um nachhaltig Gewicht zu verlieren. Trotzdem tut sich was. Nicht viel. Aber ein bisschen. Und ich bin froh drum. Hätte ich früher auch nicht zugegeben. Aber jetzt, wo ich sehe, dass es klappen könnte… Warum nicht.
Ich kannte Hungergefühle natürlich schon vor dem Fasten. Da hing deren Dauer allerdings ziemlich genau von der Entfernung zum nächsten Kühlschrank ab. Und die war nie sonderlich groß. Jetzt bleiben das Hungergefühl eben auch mal etwas länger bestehen. Und nach etwa drei Tagen habe ich auch gelernt, dass ein leichtes Hungergefühl kein Indiz für einen nahen Tod ist.
Ich kann nicht sagen, dass ich mich jetzt gesund ernähre. Aber etwas gesünder als vorher schon.
Klar: Die 16h Pause sind auch deshalb gut auszuhalten, weil die Hälfte der Zeit mit Schlafen draufgeht. Aber auch in den anderen 8 Stunden esse ich nicht mehr ständig. Hunger ist eben nichts, worauf ich sofort reagieren muss. In den 16h ‚lernt‘ man automatisch, in den verbleibenden 8h weniger zu essen. Weil das Gefühl, mal nicht pappsatt zu sein, offenbar doch nicht das schlechteste ist.
Aber es stimmt auch, dass ich die anstehende Essenspause als Begründung mißbrauche, um kurz vorher nochmal so richtig zuzuschlagen. Aber man kann ja nicht alles haben.
Ich weiß, ich muss streng mit mir sein. Denn wenn ich erstmal anfange, Regeln aufzuweichen, ist es eigentlich schon zu spät. Das ist leider so. So ist es auch eine neue Erfahrung, morgens ein Frühstück auf dem Tisch stehen zu haben, an dass ich nicht ran darf. OK. Es sind nur 15 – 20 Minuten, die ich warten muss. Aber leicht ist die Zeit nicht. Besonders, wenn ich morgens um 8:30 Brote belege und am Ende eine Scheibe Wurst übrig bleibt. So eine einsame Restscheibe wäre früher sofort vertilgt worden. Jetzt bleibt sie liegen als Beweis für den Sieg meines Willens über meine Reflexe. Dieses Überlegenheitsgefühl kann allerdings auch schnell wieder weg sein. Zum Beispiel, wenn mir auffällt, dass ich, während ich meine Selbstbeherrschung feiere, Frischkäsereste von den Fingern lecke. Ich muss also doch aufpassen.
Andererseits könnte ich die Frage, ob ich früher schon Frischkäsereste abgeleckt habe, nicht mit Sicherheit beantworten. Keine Ahnung. Ich habe es jedenfalls nie bemerkt. Jetzt schon.
Vielleicht bringt dass das Fasten auf den Punkt: Fasten heißt für mich, warten lernen. Und beim Warten auch noch wach zu bleiben (und sich nicht die Finger extra dick mit Schmierkäse zu ‚beschmutzen‘).